20.07.2026
Die Zukunft der Popularmusik darf nicht kaputtgespart werden. Mit großer Sorge blickt der Bundesverband Popularmusik e.V. auf die im Entwurf des Bundeshaushalts vorgesehenen Kürzungen im Bereich der Popularmusik und Popkultur.
Während einzelne kulturelle Einrichtungen zusätzliche Mittel erhalten sollen, drohen ausgerechnet diejenigen Förderprogramme erheblich geschwächt zu werden, die für Innovation, Nachwuchsförderung und kulturelle Vielfalt stehen. Die geplante Kürzung der Mittel für die Initiative Musik, die Halbierung des Festivalförderfonds sowie die drastische Reduzierung der Förderung des Reeperbahn Festivals setzen ein fatales Signal im kulturpolitischen Bereich.
Diese Entscheidungen treffen nicht nur einzelne Projekte. Sie gefährden die Zukunft der gesamten popmusikalischen Infrastruktur in Deutschland.
Die Popularmusik ist die mit Abstand größte musikalische Ausdrucksform unseres Landes. Sie prägt das kulturelle Miteinander in Städten und Gemeinden, schafft Identifikation, stärkt die Kreativwirtschaft und erreicht insbesondere junge Menschen. Ihre Strukturen bestehen jedoch nicht allein aus erfolgreichen Künstlerinnen und Künstlern, sondern aus einem eng verzahnten Netzwerk von Clubs, Festivals, Musikinitiativen, Veranstaltenden, Produzentinnen und Produzenten sowie zahlreichen ehrenamtlich getragenen sowie gemeinnützigen Projekten.
Gerade diese Strukturen geraten seit Jahren durch veränderte Rahmenbedingungen, wie gestiegene Durchführungskosten und überlastete Landes- und Kommunalhaushalte massiv unter Druck.
Gerade die Initiative Musik ist ein unverzichtbares Instrument für zahlreiche Akteure und Protagonisten in ganz Deutschland. Sie unterstützt nicht nur Künstlerinnen und Künstler, sondern stärkt kulturelle Infrastruktur, regionale Netzwerke und innovative Vorhaben – insbesondere auch außerhalb der Metropolen. Und gerade in strukturschwachen Regionenschafft sie damit kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe sowieEntwicklungsmöglichkeiten, wo Angebote keine Selbstverständlichkeit sind.
Ebenso unverzichtbar ist der Festivalförderfonds. Kleine und mittlere Festivals leisten einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt der kulturellen Vielfalt in Deutschland. Und das vor allem außerhalb der großen Städte. Sie bieten Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern Auftrittsmöglichkeiten, stärken Regionen in ihrer Wertschöpfung und schaffen Orte der Begegnung und des gesellschaftlichen Austauschs. Oft auch über mehrere Generationen hinweg. Eine Halbierung dieser Förderung gefährdet genau jene Festivals, die bereits heute unter enormem Existenz-Druck stehen.
Mit weiterer Sorge betrachten wir die geplante Kürzung der Förderung des Reeperbahn Festivals. Als größtes Showcase-Festival Europas ist es ein zentraler Motor für den musikalischen Nachwuchs und die internationale Sichtbarkeit der deutschen Musikszene. Hier entstehen Karrieren, Kooperationen und Innovationen, die weit über Deutschland hinaus wirken. Eine Kürzung um 50 Prozent schwächt nicht nur das Festival selbst, sondern die Musikwirtschaftskraft Deutschland im internationalen Vergleich.
Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung braucht unsere Demokratie starke kulturelle Räume. Popmusik schafft Begegnung, fördert Teilhabe, eröffnet Perspektiven und verbindet Menschen unabhängig von Herkunft, Alter oder sozialem Hintergrund. Kulturförderung ist deshalb immer auch Demokratieförderung.
Vor diesem Hintergrund sind die vorgesehenen Kürzungen weder kulturpolitisch noch gesellschaftspolitisch nachvollziehbar.
Kulturpolitik darf sich nicht darauf beschränken, einzelne Leuchttürme zu stützen. Sie muss ebenso entschlossen in die Strukturen investieren, aus denen die kulturelle Zukunft unseres Landes erwächst. Auch im Sinne der jungen Generation.
Der Bundesverband Popularmusik fordert die Mitglieder des Deutschen Bundestages daher auf, die Popkultur im parlamentarischen Verfahren entsprechend ihres o.g. mehrdimensionalen Wirkungsgrades zu würdigen und den Haushaltsentwurf dahingehend zu korrigieren.
Deutschland braucht eine politische Strategie, die das gesamte Musikökosystem betrachtet und stärkt – von der musikalischen Bildung über Nachwuchsförderung, Clubs, Festivals und freie Szene bis hin zu großen Kulturinstitutionen.
Unsere 2025 veröffentlichten Handlungsempfehlungen zur Stärkung der Popkultur sind daher dringender denn je!
20. Juli 2026
Der Vorstand des Bundesverband Popularmusik e.V.
Über den Bundesverband Popularmusik e.V.
Der Bundesverband Popularmusik e.V. (BV Pop) ist der zentrale Dachverband und das bundesweite Kompetenznetzwerk für die Förderung von Popmusik und Popkultur in Deutschland.
Der Verband bündelt regionale, lokale und überregionale Initiativen, um der Popularmusik eine gemeinsame Stimme gegenüber Politik, Kultur und Wirtschaft zu geben.
Weitere Informationen finden sich auf: https://www.bvpop.de/bvpop/ueber-uns/
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Forum der Popkultur- und Popularmusikförderer in Deutschland
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